"Schatz, wir sollten reden..."

"Schatz, wir sollten reden..."

wenn Paare über Sex reden, "es" aber dann nicht umsetzen....

Es gibt Paare, die häufig und viel über Sex reden. Das sind diejenigen, die sogar über einen sehr reichen Schatz an Fantasien verfügen – nur, was ist, wenn diese Fantasien selten, bis gar nicht umgesetzt werden?

Schön, dass wir darüber reden konnten, sagen sich die beiden dann einander, ehe sie das Licht ausschalten und nebeneinander einschlafen.

Ich bezeichne das humorvoll als „Hirn-Sex“ oder: „Gedanken- Orgasmus“, wenn das Kopfkino in voller Fahrt ist, aber selten oder nie real gelebt wird.

Nur um nicht falsch verstanden zu werden: über die eigenen sexuellen Bedürfnisse und Wünsche mit dem Partner / der Partnerin reden zu können, ist ein großer Meileinstein. Das ist wunderbar und ich kann nur jedem Paar zu einer offenen Kommunikation gratulieren!

Nur habe ich auch schon erlebt, dass Paare zwar darüber reden, aber dennoch der „gelebte Sex“ eher brach liegt.

Woran liegt das?

Das kann natürlich unterschiedliche Gründe haben, aber besonders häufig begegnen mir in der Arbeit mit Paaren diese beiden Schwierigkeiten:

1.     Ein Partner hat eigentlich keine Lust auf Sex (oder das Verlangen wird von Angst überlagert) und versucht über Gespräche darüber die Verbindung in der Partnerschaft abzusichern. (In diesem Fall ist das Gespräch über Sexualität eine Art „Beruhigungspille“ für den Partner, um über die eigenen Ängste /Unsicherheiten hinwegzutäuschen.)

2.     Das „Darüber-reden“ ist ein Versuch, um Vertrauen und Offenheit zu erzeugen, das andernorts in der Beziehung womöglich fehlt und dieses Defizit macht sich in der (gelebten) Sexualität dann bemerkbar.

In beiden Fällen handelt es sich um ein (unbewusstes) Täuschungsmanöver, das dazu dient, die Beziehung abzusichern, ohne jedoch echte Intimität erzeugen zu müssen.

Diese von mir als „Täuschungsmanöver“ bezeichneten Strategien werden aber keinesfalls aus Berechnung eingesetzt, sondern entstehen vielmehr unbewusst und aus einer tiefen inneren Notsituation.

Wenn das eigene sexuelle Selbstkonzept (damit gemeint ist unsere durch Erfahrung und Reflexion erlernte Kompetenz im Umgang mit der eigenen Sexualität) von alten Verletzungen, Scham oder Minderwertigkeitsgefühlen gezeichnet ist – womöglich noch bei gleichzeitiger Verlustangst – dann reaktiviert das genau die genannten Schutzmechanismen.

Wenn Du also gerade feststellst, dass in Eurer Beziehung zwar viel über Sexualität geredet wird, Du / Ihr jedoch nie wirklich in die Umsetzung kommt, dann könnte das ein Hinweis darauf sein.

Und noch ein Gedanke dazu:

Sexualität ist eine Sprache der Liebe.

Wie das eben so ist… je seltener man eine Sprache spricht – desto unsicherer sind wir im Umgang damit und die Hemmung wird, umso höher – je länger wir sie nicht „sprechen“. Wir haben Angst uns nicht richtig auszudrücken, nicht verstanden zu werden oder uns schlimmstenfalls zu blamieren. Das Repartoir des Sprachschatzes (unser sexueller Ausdruck) schrumpft gefühlt auf ein Minimum und am Ende reden wir uns ein, dass Sex ja ohnehin nicht so wichtig ist…!

Die gute Nachricht: Sexualität ist eine Sprache, in der wir uns alle ausdrücken können. Ein allgemeiner Ratgeber dazu ist wie ein Wörterbuch, welches hilfreich ist, um einzelne Begriffe zu übersetzen. Es erzeugt nur kein echtes Verstehen der Sprache.

Eine sexualtherapeutische Begleitung kann Euch hingegegen ein tiefes Verständnis füreinander und Wege zum gemeinsamen, lustvollen Empfinden ermöglichen.

Was ich für diese Reise empfehle:

Eine Prise Mut, ein wenig Vertrauen und viel Neugierde!

Unsicherheit oder Angst darf mit an Bord- es könnte nur sein, dass sie sich bis zum Ende der Reise verabschiedet hat!

Liebe Grüße,
Mikael

 

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